Wie offen spreche ich mit meinem Kind?

Der Tod gehört zu den letzten Tabus unserer Gesellschaft. Kinder kennen diese Tabus noch nicht, sie sind neugierig und stellen viele Fragen, wenn sie mit dem Sterben eines Menschen konfrontiert werden. Ihre Fragen sind oft direkter, als es die Erwachsenen gewohnt sind. Es ist wichtig, sie ernsthaft und ehrlich zu beantworten. Kinder verstehen die Dinge besser, wenn Sie in Bildern erzählen und Beispiele anfügen. Kinder spüren die Trauer der Erwachsenen deutlich und leiden darunter. Auch damit sollten Sie offen umgehen und eigene Gefühle nicht verstecken.

Zeigen Sie Ihrem Kind Ihre Liebe jetzt ganz besonders. Rituale wie der Besuch am Grab oder das Anzünden einer Kerze helfen der ganzen Familie, mit der Trauer umzugehen. Tun Sie gemeinsam das, was Sie mit dem Verstorbenen gerne getan haben, suchen Sie Orte auf, die Sie mit diesem häufig besucht haben, und sprechen Sie über Ihre Erinnerungen. Dann wird auch Ihr Kind langsam das Geschehene verstehen und damit zurechtkommen.

Leonies Fragen

Leonie, 6, hat gerade ihren Opa, 61, beerdigt. Den Sarg hat sie mit einem roten Auto bemalt, weil ihr Opa Autos verkauft hat. Sie stellt „ihrem Bestatter“ einige Fragen:

Leonie: Kann Opa vom Himmel aus wirklich sehen, was ich mache? Das hat er mir nämlich gesagt …

Nun ja, Leonie, gibt es etwas, was er nicht sehen sollte?

Leonie: Och ... Nichts Schlimmes. Nur, ich renne doch so oft über die Straße, ohne zu gucken, und ich dachte, jetzt passt er vielleicht von da oben auf mich auf.

Das ist ein schöner Gedanke. Aber ich glaube, er freut sich noch mehr, wenn du selbst auch aufpasst.

Leonie: Mmh. Kann er mir denn nicht winken, damit ich dran denke?

Vielleicht macht er das. Du kannst es wahrscheinlich nicht sehen. Du musst es tief in dir spüren.

Leonie: Und muss man im Himmel eigentlich auch so viel arbeiten und telefonieren wie hier bei uns?

Das glaube ich eher nicht … Davon hat mir jedenfalls noch niemand berichtet.

Leonie: Das Herz von Opa war doch so kaputt. Macht der liebe Gott das wieder gesund?

Das Herz ist jetzt nicht mehr so wichtig für deinen Opa. Seine Seele ist da oben, und die ist glücklich und entspannt.

Leonie: Dann kann das gar nicht so schlecht sein da oben …

Das hoffen wir alle, Leonie. Ganz genau wissen wir es erst, wenn wir selbst so weit sind …